22. Mai 2009 · 15:03
25 Minuten
»Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel. (Paul Watzlawick)
In einem Journal für die Frau kam eine Paartherapeutin mit der Eieruhr: »Sprechen Sie bei Beziehungsproblemen über Ihre Gefühle, aber nie länger als 25 Minuten.« Wie jetzt? Am Stück? Oder darf der andere auch? Abends im Vorbeigehen dann noch mal den Fernseher eingeschaltet, Frauenstimme im Rücken und noch gedacht, die hat den größten Teil vor sich, dreizehneinhalb Minuten wohl:
»Ich kann ihm nicht das geben, was er braucht.« (Pause)
»Ich meine – er wird nicht glücklich werden bei mir. (Sehr emotionale Pause, muss man gar nicht hingucken, hört man.)
»Er muss wieder Känguru werden.«
Nach mehreren Schrecksekunden wieder zum Fernseher gerannt und festgestellt, dass es eine nette Tierpflegerin war, die ein zweifelsfrei verloren und verlassen wirkendes junges Känguru-Männchen, das sie zur Pflege irgendwo abgeschleppt hat, wieder zum Hüpfen brachte. Muss jetzt bald wieder in die freie Wildbahn, was Trennungsschmerz erzeugt.
Nach gefühlten 25 Minuten Känguru kam eine Tiertherapeutin auf Hausbesuch zu Katzen – ich glaube, der Satz ist schief, es war aber wirklich eine Tiertherapeutin, die dem Tier gegenüber so stumm blieb wie der Analytiker am Kopfende der Couch, wenn der Mensch in der Urszene versinkt. Der Patient war ein psychisch gestörten Kater, der jede Nacht die halbe Wohnung verwüstet, und nun saß die Tiertherapeutin vor dem Tier und schrieb, während der Kater, ebenfalls stumm, gelangweilt herumguckte. Aber was heißt schon stumm – nachdem sie eine ganze Weile vor sich hin geschrieben hatte, sagte sie: »Also, er hat folgendes von sich gegeben ...« Der Kater hatte aber noch nicht einmal gemaunzt, nur war es so, dass sie über irgendwelche Schwingungen, wie sie kundtat, mit dem Tier in Verbindung getreten war und nun mitteilte, der Kater habe von sich gegeben, dass er sich von den übrigen beiden Katzen, mit denen er im selben Haushalt zu leben gezwungen ist, gemobbt fühle und deshalb nachts aus lauter Kummer und Hilflosigkeit Randale mache. Die Halterin des Katers, im Volksmund auch Frauchen genannt, nickte dazu ergriffen und versprach, dem Tier zwei verschiedene Bachblüten einzuflößen, welche die Therapeutin zufällig im Gepäck hatte. Darüber dann die halbe Nacht gegrübelt und morgens probiert, ob Nachbars Kater Luis II., welcher im Hausflur herumstreunte, etwas von sich gab, das war aber nur ein leichter Hieb, den das Tier auszuteilen pflegt, wenn ein Mensch ihm zu nahe kommt. Kann man verstehen.
