“Reality is frequently inaccurate” (Douglas Adams)

2. Mai 2009 · 12:30

9125 Tage

Heimlich zählten sie vielleicht und rechneten sich fast um den Verstand, als sie auf der Zweierbank eines öffentlichen Verkehrsmittels anfingen, reinen Tisch zu machen. Als aus der leise gezischten Ehekrise ein unüberhörbares Elend wurde, kam diese Zahl ins Spiel: seit FÜNFUNDZWANZIG JAHREN dieser Trott mit dir!
Wenn ich EINMAL einen schönen Abend haben will, geht das mit DIR natürlich nicht!

Heimwärts geht’s, nachdem sie sich in einer Kneipe wohl kurzfristig getrennt haben, was IHRE Schuld war (sagt er), denn hat SIE sich nicht einem Wildfremden an der Bar praktisch an den Hals geworfen? Hält sie ihn für blöd? Glaubt sie denn, er hätte nicht gemerkt, dass sie da nur hin ist, um zu gucken, wie nach fünfundzwanzig Ehejahren (Kinder längst aus dem Haus) ihre Chancen stehen? Hat sie sich nicht benommen wie so eine Schlampe aus ... (er kommt nicht drauf).

Ach je, ach nein, was ER sich wieder zusammenreimt. Sie hat sich nur ein wenig unterhalten. Sie hat ein bisschen Spaß gehabt, mit IHM geht das ja nicht, denn ist er nicht schon immer so verspießert und verknöchert gewesen, sein ganzes Leben lang, das sie nun seit, Gott sei's geklagt, fünfundzwanzig Jahren mit ihm teilt?

Jaaa, sagt er, DAS war ja überhaupt der Fehler seines Lebens – UND ÜBERHAUPT, fällt sie ihm ins Wort, was macht das denn für einen Eindruck: ER, die ganze Zeit am Tisch hockend, trüb und maulig wie der erste Mensch? Kann er ihr nicht EINMAL das Vergnügen gönnen? Hat sie IN ALL DEN JAHREN denn EINMAL von ihm gehört, dass –
Was?
Vielleicht fing sie an zu zählen. Endstation. All die Jahre sind so viele Tage.