12. Dezember 2008 · 17:15
Im Prinzip ist es eine Unendlichkeit
Link vergessen – Luhmann ist nicht der Apotheker von gestern, danke den Nachfragen.
Hier ist noch etwas wirklich Schönes dazu, da geht es ums Verlinken und ums Taggen per Hand: Luhmanns legendärer Zettelkasten, von ihm selbst erklärt im Gespräch mit Wolfgang Hagen, Zettels Traum 1997.
L: Im Prinzip ist es eine Unendlichkeit. Wenn man den Zettel 21/3a17 hat, dann kann man 18 machen oder man kann 17a machen ... Jeder Zettel hat seine feste Nummer, die nie geändert wird.
H: Hat die Nummer irgendeinen Sinn?
L: Nein. Das ist nur ... Man hat natürlich eine Gewohnheit, daß man weiß ... wenn man also Paradoxie sucht, dann müßte das unter der und der Nummer zu finden sein. Aber ich habe natürlich ein Schlagwortregister, wo ich nachgucken kann.
H: Aha. Und unter dem Schlagwortregister werden wieder diese Nummern eingetragen.
L: Ja.
H: Also was für Registrierungen dieser Zettel haben Sie sonst außer dem Schlagwortregister?
L: Im Zettelkasten selbst gibt es einen Zettel mit Verweisungen, wo dann steht, also hier geht es um Paradoxie, Paradoxie-Schule usw. Der Vorteil dieser festen Numerierung, die nie geändert wird, ist, daß man eben von jedem Punkt auf jeden anderen verweisen kann.
H: Aber Sie müssen diese Verweise immer nachtragen.
L: Ja.
H: Sie müssen dann alte Zettel nehmen und dann einen neuen Verweis auftragen.
L: Ja.
H: Und bei neuen Zetteln gucken, wieviel alte Zettel habe ich, auf die ich jetzt verweisen müßte.
L: Ja.
H: Das heißt, Sie arbeiten, selbstreferentiell sozusagen, permanent diesen Zettelkasten auch durch ...
L: Ja.
H: ... lesen auch alte Zettel immer wieder mal ...
L: Ja.
H: ... und schmeißen auch raus?
L: Nein.
H: Nie?
L: Nie.
