“Reality is frequently inaccurate” (Douglas Adams)

4. Februar 2009 · 20:29

Alles was du schreibst

Alles, was du schreibst, gilt mir. Wo immer du schreibst, in Blogs, Foren, Chatrooms, meinst du mich. Ich lese das in deinen Texten, und ich habe ja nur deine Texte, die deine Züge zur Maske verformen. Doch dahinter ist unbekanntes Land, das ich bebauen kann.

Das ist der Verfolger im Netz. Er pickt sich einen raus und liest sich was zurecht. Er sieht ihn nicht und hört ihn nicht und kann ihn nicht berühren. Er hat nur seine Worte und die Worte fliegen auf ihn zu, und dann kommt der Tag, an dem sie landen, dauerhaft: bei ihm allein.

Wir passten doch zusammen. Ich war für dich da. Hast du irgendwo das Wort Komposthaufen geschrieben, schob ich eine Abhandlung über Ackerbau und Viehzucht hinterher und wollte doch nur sagen: sprich mit mir. Aber dann hast du mich verlassen. Du hast nicht geantwortet, nie, und du machst weiter, als gäbe es mich nicht. Du hast mich verhöhnt mit jeder Silbe und greifst mich an mit jedem Wort, da muss ich mich doch wehren.

Der Verfolger im Netz fühlt sich immer gemeint, so wie ja auch der Schizophrene weiß, dass das Summen im Radio ihm alleine gilt. Wenn Stimmen aus der Wand dringen, sprechen sie zu ihm: Es ist nicht wahr. Aber es ist wahr.

Ich belästige dich nicht. Du bist es doch, der mich fertigmacht. Mit deinem Schreiben. Deinem Schweigen.
Alles, was du schreibst, wird gegen dich verwendet.