amtsmüde

BerlinBerlin

10. September 2009 · 09:44

Das gib mal einem Literaturlukullus zu lesen:

Die Leute an der Haltestelle messen einander mit kalt kalkulierenden Blicken, wie internationale Ringkämpfer am Start. Und wartend präparieren sie Tricks, die man noch soeben durchgehen läßt. Warten vergiftet. Eine rumpelnde Bahn nach der andere wächst heran, schrumpft davon, die 46, 107, nochmals die 107, zum Donnerwetter! Dreimal hintereinander die 107. Dann die richtige. Spitz strömt das Häuflein Nervöser in das Perrontor, wie Wasser in eine Gosse, siebt sich durch die Aussteigenden hinein, klemmt sich, preßt.

Und frag ihn zwischendurch: Wer hat das geschrieben?

Frau Purmann, von würdelosen Paketen umpuffert, rudert im dicksten Strudel mit Gesten einer Ertrinkenden, aber genau betrachtet: offensiv. Sie schimpft: Anfangs weinerlich, weil unbestimmt, allgemein über Empörendes, Unerhörtes, dann aber superior scharf über eine ungesicherte Hutnadel.

Und hör dir dann die Antwort an: Berlin Alexanderplatz, na klar. Alfred Döblin 1929.

Raum für Ihre Notizen

Und sag sodann: Nee, denkste.
Joachim Ringelnatz schrieb schon 1924 einen Berliner Roman, den er im Titel nett abkürzte: Liner Roma.
Und beide sollte man immer wieder lesen. Schon wegen der S-Bahn heute.