26. März 2009 · 08:22
Der innerste Ausdruck
Da kam eines Tages eine bildende Künstlerin in die psychiatrische Klinik, hatte ein Projekt am Laufen – vermutlich war es sogar ein Riesenprojekt – und sie teilte den Patienten mit, sie seien Künstler, sie wüssten es nur noch nicht. Sie selber fand sich außerordentlich, kannte aber die Prinzhorn-Sammlung nicht. Und sie gab den Bedürftigen Buntstifte, wie man sie Kindern gibt, und ließ sie pausenlos malen und zeichnen, auch wenn sie überhaupt nicht zeichnen und malen wollten. Doch wenn sie ihr das sagten, meinte sie sehr streng, dass Malen der innerste Ausdruck der geschundenen Seele sei und der innerste Ausdruck sei immerzu Kunst. Weitermachen.
Einer der Patienten zeichnete etwas ganz und gar Unanständiges, nur um es ihr zu zeigen, und das wertete sie schon wieder als vollendete Ausformung des ganz inneren Ausdrucks, und der Mann lachte, wie er seit Monaten nicht gelacht hatte, und zerriss seinen innersten Ausdruck in viele kleine Schnipsel.
Fiel mir ein bei dieser Information der Prinzhorn-Sammlung über die neue Ausstellung Text - Wahn - Sinn.
