Die Geschichte von der Girlande
10. Dezember 2009 · 17:00
Nachts in einer vollgeparkten stillen Straße fuhr ein schicker Wagen vor und die Beifahrerin stieg aus, um dem Fahrer beim Einparken zu helfen. Die Parklücke war eng und ihre Arme wurden immer länger beim Gestikulieren, aber sowohl sie als auch der Fahrer, der immer wieder kurz die Tür öffnete, um abzuschätzen, ob das auch gutgehen würde, schienen von dem Vorhaben beseelt, diese eine schöne Lücke auszufüllen – etwa dreieinhalb Meter daneben tat sich eine größere auf. Die ehemalige Beifahrerin, jetzt Einwinkerin, begleitete ihre Gesten schließlich mit Rufen, die immer lauter wurden, »noch'n Stück!« - »Rechts! - rechts! - rechts! - Haaalt, links! Jetzt links! - Haaalt! Noch'n Stück! - Jaaa! - Obacht! - Halt! - Haaalt! - Nein! - Stooopp!«
Wer zuhörte, wartete auf einen entsetzlichen Knall.
Der Wagen stand schief und überhaupt nicht in der Lücke, als der Fahrer ausstieg und die Einwinkerin anbrüllte, sie solle es verdammt noch mal doch selber machen. Die Einwinkerin war beleidigt, so viel Undank hatte sie nicht erwartet. Der Wagen blieb mit offener Tür und laufendem Motor stehen, in den Fenstern ringsum blitzten kleine Sterne und eine Girlande leuchtete auf einem Balkon. Die Menschen auf der Straße wurden grundsätzlich: »Du kommst da nicht rein!«
»Warum fuchtelst du dann wie blöd?«
»Weil jeder andere rein kommt, NUR DU NICHT!«
»Ich komm da locker rein, wenn du dich nicht so anstellen würdest!«
Wie ging das denn aus? Der Fahrer fuhr den Wagen in die größere Lücke, und die Beifahrerin betrat das Haus mit der funkelnden Girlande. Als der Fahrer zurückkam, war sie auf dem Balkon zu sehen, wie sie die Girlande herunterriss, das war gegen zwei Uhr nachts. Grausam, wenn die Leute grundsätzlich werden.