3. Januar 2009 · 13:56
Die Mutter aller Fernsehkrimis
startete heute vor 40 Jahren und ist seither in einer Endlosschleife immer irgendwo zu sehen: Der Kommissar.
Der Kommissar war jener ältere Herr mit Hut, den seine Untergebenen immer Chef nannten, und es waren wirklich Untergebene und keine Assistenten: Noch hat er nicht gestanden, Chef. Ich glaube ihr kein Wort, Chef. Und er, Chef, nahm das alles ruhig zur Kenntnis, lief ein bisschen durch München, um sich freundlich mit Frau X und Herrn Y zu unterhalten, dachte sehr viel nach, ballerte nie, trank auch nicht und hatte keine Beziehungsprobleme, und am Schluss, da sagte er Dinge wie: Bring mir die Frau X, Walter, ach ja, und auch den Herrn Y. Walter, einer der Untergebenen, fing auf der Stelle mit dem Bringen an und zwoeinhalb Minuten später stellte sich heraus: Herr Y hatte mit dem Mord zu tun, Frau X aber auch und zwar tüchtig.
Nun war das aber nicht so beim Kommissar, dass alle Folgen in München-Grünwald spielten, wie beim Kollegen Derrick, der Villen betrat, in denen vierzigjährige Söhne ihre strengen Mütter Mutter nannten und Mutter immer irgendwie klammerte und den Sohn nicht loslassen konnte, was dann zu schlimmen Verwerfungen in des Sohnes Psyche führte (Mutter hatte die Verwerfungen schon immer). Der Kommissar ermittelte auch im Hasenbergl und saß an Küchentischen sowohl mit trinkenden Verzweifelten als auch mit verzweifelt Trinkenden zusammen, aber am Ende sagte er dennoch zum Walter, hol mir mal die Y und den X und bring die Flasche mit.
Und niemals hat der Kommissar seine Zuschauer im protestantischen Beschwerdeton sozialpolitisch auf dem laufenden gehalten, das war wirklich gut, nie hat er sich stellvertretend für uns alle empören müssen, um zu belegen, dass er eine Haltung hat.
Das Beste am Kommissar waren aber die Titel der Folgen. Kriegen wir heute nicht mehr hin: Toter Herr im Regen oder: Sonderbare Vorfälle im Hause von Professor S. oder: Geld von toten Kassierern oder: Warum es ein Fehler war, Beckmann zu erschießen, ganz zu schweigen von: Jähes Ende einer interessanten Beziehung.
Mit dem Kommissar hat es wohl niemals ein Ende.
