amtsmüde

Die übliche Zeit

17. Januar 2010 · 20:58

Gestern an der Käsetheke erzählte eine mir unbekannte Frau ungefragt von ihren Wochenendkopfschmerzen, die sie sich damit erklärte, dass sie auch samstags um halb sieben aufwachte, zu einer Zeit, die sie ihre übliche nannte, zu ihrer üblichen Zeit. Eisern pflegte sie aber bis neun Uhr durchzuhalten, um dann mit Kopfschmerzen aufzustehen, wie immer an den üblichen freien Tagen. Das war ein wenig so, als wäre sie der düsteren Seite eines sozialen Netzwerks entsprungen, aber da kann man das ignorieren. Sie schob noch hinterher, dass das ganze Herumgemache die Kopfschmerzen aber auch begünstige, und was sie mit Herumgemache meinte, war das Verhalten mancher Menschen auf Rolltreppen. Zu zweit, dauernd zu zweit auf Rolltreppen, blieben sie nebeneinander auf Rolltreppen stehen und ließen keinen vorbei. Man könnte einwenden, dass die Rolltreppe exakt zu diesem Zweck konstruiert und in die Zivilisation entlassen wurde: um einmal stehenzubleiben. Aber sie mochte wohl am Wochenende keine Liebespaare, denn die brauchten ganze Wege für einen einzigen Blick. Sie war dann dran mit ihrem Käsewunsch, und als sie bezahlt hatte, drehte sie sich noch einmal um und sagte: »Ich nehme immer die übliche Treppe, da machen sie das nicht.«
(Abends, mal angenommen, stand sie vor dem Spiegel und machte Pläne für die restliche der üblichen Zeit, doch durch den Spiegel hindurch sah sie Lichter, sie kamen aus der Erinnerung. Sie zog Jeans an und nahm ein Taxi zur Bar.)
Oder so.