23. Januar 2009 · 09:12
Dreamer
A dreamer is one who can only find his way by moonlight, and his punishment is that he sees the dawn before the rest of the world.
Oscar Wilde
Überlegte man jahrelang, sagt er, wie man eine einwandfreie Kontaktanzeige formulierte, die besten Lügen in die aufrichtigsten Worte packte – vergebens. Beschrieb man sich als hoffnungslosen Träumer und hatte keinen einzigen Traum.
Jetzt: Man kann sich Geschichten erzählen, quasselt die eigene Mailbox voll und hört sie abends dann ab, erfährt noch einmal die Gedanken und Gefühle eines Tages. So baut man sich auf, kann jemand sein, ist auf der Welt. Einer, der sich selber alles erzählt und zuhören kann, der auch im Chat und überall im Netz eine Diskussion mit sich selbst beginnt, unter verschiedenen Namen, Lebensläufen, Träumen. Kann er weit kommen, treibt er sich voran, hat er zu tun im Erfinden von Leben. Geschichten sind wichtig, sagt er, jedes Buch braucht gute Geschichten, jedes Leben ja auch.
Aber es sind die Geschichten anderer Leute, erzählt man ihm. Brauchst schon eigene. Sonst nichts.
