„the truth is out there“

Endlos

4. September 2009 • 08:33

Mein Laptop wollte nicht einschlafen, da konnte ich so viele Knöpfe drücken, wie ich wollte, der blieb einfach wach. Mich an die Erkenntnisse eines Professors für Medieninformatik erinnernd, der sagte, das einfachste sei eine direkte Kommunikation mit dem Computer, weil die Hemmschwelle dann sinke, bat ich den Laptop, schlafen zu gehen. Schau her, es ist Abend, und du hast heute so viel geleistet, ha ha, hast dir ein paar Webseiten angeguckt und zwei von neun Mails beantwortet, hast außerdem viel Musik abgespielt, da hast du dir jetzt deine Ruhe verdient.
Nichts. Vielleicht wollte er mit auf ein Bier oder was die sonst so trinken, jedenfalls blieb er munter. Er ließ sich noch nicht einmal ins temporäre Koma schicken, will sagen: ausschalten ging auch nicht. Nein, sagte ich, du kannst nicht mitkommen. Du könntest natürlich, bist ja tragbar, aber es hat ja alles seine Grenzen.
Nichts.

Da erinnerte ich mich an einen Artikel, wonach immer mehr Menschen in blinder Wut auf ihren Computer einschlagen, aber da ich Gewalt gewöhnlich ablehne, versuchte ich es nur mit Strenge und teilte ihm mit, dass er, solange er seine vier Gummifüßchen auf meinen Tisch stelle, er auch zu tun habe, was ich sage, allein, er tat es nicht.
Es folgte also ein Anruf bei so einem Computerversteher, Sie kennen diese Leute, sie sind männlich und noch seltsamer als Frauenversteher, sie gehen davon aus, dass das Problem niemals der Computer ist, sondern nur der Mensch davor.
Natürlich stellte er die strenge Frage: Was hast du gemacht? und selbstverständlich gab ich ihm die Standardantwort: Nichts!
Nach einigem unschönen Geplänkel befahl er mir, kryptische Worte zu tippen, und als ich versuchte, ihm die Zeilen, die da plötzlich über den Monitor jagten, vorzulesen, rief er: Er liest eine Mail!
Der? Der liest eine Mail? Was erlaubt er sich denn, das Mailprogramm ist geschlossen!
Egal, sagte der Computerversteher, er versucht die Mail zu indizieren!
Der? Wie kommt er dazu, ich kriege keine Mails, die er eigenmächtig indizieren müsste, er kann sie höchstens indexieren, das sind nämlich zwei Paar Schuhe.
Egal, er packt es nicht!
Nein? Ich wusste nicht, welche Mail das war, die dem armen Teufel so viel Prozessorzerbrechen bereitete, jedenfalls war er tatsächlich bis zum Anschlag damit beschäftigt, den Inhalt einer dürren E-Mail in sein großes Hirn zu laden, damit ich diese später einmal wiederfinde, was ich aber gewöhnlich gar nicht vorhabe.
Er befindet sich in einer Endlosschleife, sagte der Computerversteher, das ist das ganze Problem. Und dass ich das verstehen müsse und so, weil: der Computer hat immer seine Gründe! Wie Gott ungefähr. Oder so.

Update:
Erster Satz, aber ja, wir drücken natürlich Tasten, keine Knöpfe, danke.