amtsmüde

Feuilletonisten (2)

28. Oktober 2009 · 17:21

Manchmal beschreiben Autoren einen Menschen in seinem Arbeitsalltag, und oft nehmen sich Feuilletonisten dann dieser Geschichten an und kommen zu dem Schluss, sie erzählen vom nicht gelebten Leben. Das schreiben sie so hin, wenn sie von Abläufen in ihrer Gleichförmigkeit lesen, wenn einer das frühe Aufstehen beschreibt und das Ankommen im Büro, den Griff zum Aktenstapel und den Griff zur Maus, die ersehnte Kaffeepause und all die anderen kleinen Rituale. Oder den immer gleichen Heimweg, aber ja, und die wenigen Worte am Abend an den Menschen, mit dem man lebt, wenn man denn mit einem lebt, das Fernsehgucken bis elf, weil man ja früh raus muss. All das treibt Feuilletonisten immer wieder zu der Phrase vom nicht gelebten Leben. Damit kennen sie sich aus, glauben sie, wenn sie die Behauptung wagen, wer da beschrieben wird, der lebt ja nicht, macht immer dasselbe und wird sterben ohne gelebt zu haben, als hätten sie was Besseres, wenn sie den ganzen Tag lang nichts anderes tun als beschriebenes Leben aufsaugen, fremdes.