“Reality is frequently inaccurate” (Douglas Adams)

19. Februar 2007 · 18:25

Frankfurter Sonntag

Gestern im Fernsehen die Frankfurter Oberbürgermeisterin schunkelnd am Straßenrand gesehen, nettes Bild, der Faschingszug donnerte vorbei, und meine Nachbarin sagte, der Offenbacher Wagen wäre diesmal abgekoppelt worden.
Ehrlich, der Offenbacher Wagen? Ja, sagt Anni Z., vordergründig wegen Platzmangels oder so, weshalb die OB ja auch so ausgesprochen heiter -
Ach was, alles Miesmacherei, die Frankfurter und der Offenbacher OB schippern doch am nächsten Wochenende gemeinsam über den Main.
Nein! Doch, und zwar geschieht das anlässlich des Pokalderbys, nicht wahr, da stehen sich, wie man sagt, Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach gegenüber, und deswegen, friedlich guten Willen demonstrierend, schippern die OBs schon mal vorsorglich über den Main.
Sie spekuliert auf hohen Wellengang, sagt die Nachbarin, während unsere OB im Fernsehen grad einmal ein wenig fahrig ein Orchester dirigiert. In der Nähe ein Mann mit Klapphandy, von dem Anni sagt, der ginge als Jack Bauer.
Nicht wahr? Als Zuschauer von 24 merkst du ja sofort, dass die Welt ohne Klapphandys überhaupt nicht zu retten ist, alle drei Sekunden wird eins gezückt, und der fiese Mr. President in 24 versagt ja auch an einem Stück, weil er seine Untaten in das gleiche bildschöne Klapphandy wispert, welches ich letztens aus dem Fenster werfen musste. Drei Tage pro Monat hatte ich es, die restliche Zeit versuchte man es zu reparieren. Es schaltete sich einfach ständig aus, so wie der Mr. President 24 Folgen lang den tapferen Jack Bauer ausschalten möchte (ich glaube ja, die First Lady steckt hinter allem!), der aber wohl noch eine Staffel vor sich hat und dem Mr. President aus Produktionsgründen dauernd entwischt.
Ich frage die Nachbarin, ob sie sich noch an das Ende der zweiten oder dritten Staffel erinnert, als der Held einem Kollegen zwecks Rettung der Welt einen angeketteten Arm abhacken musste, um an einen Koffer mit Informationen zu kommen; nein, sagt sie, aber das ist mal ein hübscher Einfall, verwenden Sie den doch auch einmal, in Ihrem letzten Buch ist ja nun gar nicht viel Gewalttätiges passiert.
Na, nun hören Sie mal, ich meine, Koffer voll Informationen sind doch sowas von vorgestern, heute schicken die sich in 24 permanent Satellitenbilder vom Klapphandy auf den PC und von dort so verzögerungsfrei wie hochauflösend auf den PDA, was ich wahnsinnig aufregend finde, kann ich mir das doch auf Frankfurt am Main zurechtschneidern und ganze Kapitel damit füllen, wie gewitzte Polizisten ihren Lieben daheim Satellitenbilder aus der Kantine beamen, an deren äußerstem Ende Frau Sawatzki, jene dauerdepressive Tatort-Kommissarin, es gibt ja hier doch ein paar davon, uns auch noch in eine leichte Essstörung kippt.
Die OB ist uns unterdessen verschütt gegangen, keine Frage, es war ein Tag im Karneval.