“Reality is frequently inaccurate” (Douglas Adams)

23. Februar 2009 · 10:30

Frau Z. am Morgen

Sie kennen sich doch, sagt die Nachbarin Anni Z., mit dem Freud aus, dem Sigmund, und ich sage GehnSeweg, die lustigen Freudianer sind sowas von ...
Das ist ihr egal, sagt sie streng, es geht ihr jetzt um die Träume, und da scheint ihr doch dieser Freud ... also, was bedeutet es, wenn einem im Traum die Zähne ausfallen?
Alle?
Ausnahmslos.
Möchten Sie sich bei mir auf die Couch legen?
Nein, sagt sie, die sieht mir zu unbequem aus.
Das ist sie auch. Die lustigen Psychoanalytiker sagen, mit den ersten Zähnen kommen auch sadistische Impulse auf.
Aber es waren nicht die ersten, sagt sie, es waren die gegenwärtigen, die sie nun schon seit vielen Jahren mit sich herumschleppt, und zwar ausnahmslos alle.

Das ist eine komplizierte Angelegenheit mit Frau Z., und nach einer kleinen Runde googeln treffen wir uns wieder. Aber was ich ihr da ausgedruckt habe, zerknüllt sie sofort:
»Wenn jemand im Traum fürchtet, ihm könnten die Zähne ausfallen, geht es um die Angst, alt und nicht mehr begehrenswert zu sein.«
Es waren Goldzähne, sagt sie.
Alle? Gold? Der Oscar sieht goldig aus und Sean Penn hat ihn bekommen, mein Lieblingsschauspieler seit Jahren!
Was ist mit seinen Zähnen, fragt sie, aber das wissen sie da nicht.
Lauter Goldzähne, sagt sie, das Eingangsthema wieder aufnehmend, ausgefallen, ausnahmslos.
Was ja merkwürdig ist, denn im wachen Leben hat sie nicht einen (aus Gold). Kannte der Freud überhaupt schon Goldzähne? Wie soll man da analysieren? Man möchte sagen, es ist die F-krise, die nun allenthalben zur W-Krise mutiert ist, die Finanzen ruiniert, unsere Wirtschaft einbrechen und schrumpfen und Milliardärinnen öffentlich weinen lässt und nebenbei halt auch, so tückisch ist sie nun einmal, sich in die Träume unbescholtener, weil bonusfreier Mitbürgerinnen schleicht.
Und zwar in ausnahmslos alle.
Sie haben keine Ahnung, sagt Frau Z. Schreiben Sie mal einen Film über einen, der mit den Zähnen ...
Den gibt es schon. Kann mich dunkel erinnern, dass da so ein beißender Irrer seinen Opfern Zahnabdrücke verpasste, allerdings war das eine Täuschung, weil er nicht die eigenen Zähne für seine perversen Taten verwendete, sondern das Gebiss seiner Mutter.
Sehen Sie, sagt sie, dieser Autor hat mit dem Freud etwas anfangen können.