“Reality is frequently inaccurate” (Douglas Adams)

25. Juni 2009 · 12:09

Halb vier (liebes Tagebuch)

Das Geschrei nahm zu. Im Dunkeln brüllten die verwundeten Löwen.
(Flaubert: »Salambo«)

Heimkehr gegen halb vier und noch mal in die Mails geguckt, muss man ja nicht, ist aber so blöd. Noch Nacht oder schon Tag? Drei Mails kommen, eine klagt an: Verbrechen begangen, welches? Drüben ist Nacht, keine Frage, diese Mail wurde vier Minuten vorher geschrieben und zwar so, dass es wohl anschließend eine Tastatur zerhauen hat. Drüben ist irgendwo und nirgendwo, vielleicht liegt eine Stadt dazwischen, vielleicht ein Land, ziemlich sicher eine Welt. Was ist gemeint, was ist das für ein abgedrehter Wortschatz? Befehle: nicht hierhin gucken und nicht dahin linken und nicht jenes schreiben oder dieses denken, ganz irres Zeug, vier Minuten zwischen Senden und Empfangen – und du hockst jetzt noch da, ganz bestimmt. Ist dir kalt? Ist das Fenster offen, hörst du nächtliche Geräusche, die oft schöner sind als jene am Tag? Nicht für dich, kennst dich da nicht aus und kannst das nicht ab, so ein HassMailLeben ist eine Kältekammer. Da wird penibel Forschung betrieben und auf google die Wahrheit gesucht, denn der Link am Wegesrand ist immer ein Beweis. Folge ihm, bieg ihn dir zurecht, such Verursacher deiner Wut und sag ihnen deine Wahrheit. ... »Send«.

Dann aber trotzdem noch auf "Reply" gedrückt, wer sind wir denn (nicht mehr ganz wach). Diese unoriginelle Wendung, die mit einem f beginnt und mit zwei davon endet, und dann, paar Stunden später, grinste sie mich in der ersten Mail wieder an, F*off, sozusagen Gruß von mir an mich selber, was man technisch dann Bouncen nennt. Falsche Adresse, sollte man immer berücksichtigen, aber nicht gegen halb vier zwischen Nacht und Tag.