Hausmarke
17. Februar 2009 · 11:20
Das war so eine kalte Nacht in einer kleinen Stadt, als er am Straßenrand hockte, kleine Schneereste überall. Viel zu kalt für seinen Fummel. Drinnen haben sie einen Nightclub, das schreiben sie über die Tür, Bistrotische, Bistrostühle, Bühne: Nightclub. Bier vom Fass, Rotwein Hausmarke, Weißwein auch.
Pumps und Engelshaar, das Kleid ist zerrissen. Die alte Frau mit Terrier, die sich jeden Abend über die Musik aus dem Nightclub beschwert, beugt sich über ihn: Bub, was haben sie denn mit dir gemacht?
Ach nix. Er muss nur mal Luft holen, ist nicht bei Stimme zur Zeit. Früher war das anders, da hat er singen können, nächtelang. Jetzt etwas heiser, trifft nicht jeden Ton, was heute Nacht nicht gut angekommen ist. Wegen der Stimme war das, nur wegen der Stimme, sonst ist alles gut. Auf der Bühne ist er Daisy gewesen.
Drinnen, im Nightclub, hatten sie eine Vision von der Nacht. Und Daisy hat nicht gepasst. Hat niemanden parodiert, beschweren sie sich (»nachgemacht«), hatte keine Witze drauf und war auch viel zu fett. Den haben sie von der Bühne gelacht, kein Witz, bis er ging.
Draußen noch ein Tritt vom Kellner, weil er getrunken hat ohne zu zahlen.
Du holst dir den Tod, sagt die alte Frau.
Aber er ruht sich doch nur aus, dann fährt er heim. Ruhe, dann ist es gut. Die sind ja nicht immer so. Es ist bloß wegen der Stimme gewesen, da muss er halt üben.
Es war auch kein richtiger Tritt vom Kellner, nur so ein Stupser, da ist er halt gestolpert. Er hatte gemeint, Getränke wären frei. Das ist nicht so gewesen. Normalerweise sind die Leute sehr nett.