21. Januar 2009 · 07:55
In einem Land wie diesem
Manche Leute versauen einem alles. So werde ich nun Obamas Amtseinführung mit einem deutschen Facharzt für Orthopädie verbinden, der ein desolates Knie mit den Worten lahmlegt, die Deutschen jammern halt, während die Leute drüben, die Amerikaner also, sich einfach etwas trauen.
Was ziemlich unverfroren war: er stößt einen gefühlt drei Meter langen spitzen Gegenstand in Richtung des Meniskus und sagt, hier will jeder nur bedient werden. Aber drüben, sagt er, da packen sie an, da sind sie bereit, sich auch immer wieder selber zu erfinden.
Sich selber zu erfinden, das hat doch schon Einzug in deutsche Talkshows gehalten, ist das nicht Beckmann-Deutsch?
Wer ist das, fragt der Orthopäde und brummt, jetzt halten Se mal still, Sie treten mich noch. Hier hält keiner etwas aus, sagt er, ewig in Erwartung, man werde schon alles für ihn richten. Dieses Genöle hier, zum Beispiel bei seinen Kollegen ... unverzüglich beginnt er einen Vortrag über die notleidende deutsche Ärzteschaft, der sich sehr, ach, sagen wir mal: authentisch anhört, nicht etwa so, als fasse er zusammen, was der übrige Rest so jammert und nölt. Die amerikanische Fähigkeit zur Begeisterung, sagt er, jeder Ansatz zur Begeisterung muss brachliegen in einem Land wie diesem hier, in dem Krankenkassen regieren, angefüllt bis unters Dach mit Leuten ohne Einsicht und Verstand.
Auf dem Monitor ist jetzt der neue Präsident zu sehen, kurz bevor er seine Hand auf die alte Bibel legen wird, gesammelt und sehr ernst.
Sehen Sie mal, sagt der Orthopäde, bevor er den jetzt auf geschätzte achtkommafünf Meter angewachsenen spitzen Gegenstand vom Meniskus wieder entfernt (Spüren Sie was? Großartig, das muss auch sein, damit wir wissen, da ist noch etwas Leben drin), sehen Sie mal, die US-Bürger sind auch bereit, für den Nächsten einzustehen und anzupacken, da gibt es keine Neidkultur, da gibt es auch für Schadenfreude kein adäquates Wort.
So, sagt er fröhlich nach gefühlten viereinhalb Stunden, jetzt ist erst einmal alles auf Null. Besinnen Sie sich auf sich selber, machen Sie eine Dings ... eine Selbsterfahrung, viel mehr bleibt da auch nicht. Vier Wochen wird es kaum gehen mit dem Gehen, mindestens, aber Sie arbeiten ja sitzend, nicht wahr? Und bei den ersten richtigen Schritten, sagt er mit Blick auf den ernst und eindringlich sprechenden Präsidenten, ist auch schon bald Frühling. Soviel Optimismus muss sein, jawohl, in diesem Land.
