amtsmüde

Kamillentee für MSW

17. November 2009 · 16:45

Ist jemand so veranlagt, dass er freiwillig mit MS Word arbeitet? Gibt es eine, die nicht alles, was sie zu verschicken gedenkt, in der Endfassung durch MS Word jagen muss, weil alle Menschen in der näheren und ferneren Umgebung MS Word einsetzen, aus dem einen Grund, weil es alle Menschen in der näheren und ferneren Umgebung tun?

Gleich frühmorgens ist ES höflich abgestürzt, hat sich erst noch entschuldigt – sorry – aber – konnte nicht – finden. Was hast du denn gesucht? Kurz darauf festgestellt, dass ES die Rechtschreibprüfung nicht finden kann, obwohl die doch direkt vor seiner Nase liegt. IHM sogar noch ein Fenster hingeschoben, da guck, da ist sie! Ein Fehler ist es dann gewesen, den Pfad neu einzustellen und schier aus Jux MS Word die Rechtschreibung einmal prüfen zu lassen, nur um festzustellen, dass man überhaupt alles falsch schreibt, zum Beispiel es regnet oder Word ist doof, jedes Wort ist rot umkringelt.

Neuer Versuch, damit weiterzumachen, womit man aufhören musste, weil Word beschloss, zu kollabieren. Jetzt gerät ES völlig außer Kontrolle. Word formatiert das Dokument, meldet Word und beginnt unverzüglich mit dem Unsinn, auch wenn das überhaupt nicht von ihm verlangt wurde (davon abgesehen, kann es überhaupt nicht richtig formatieren, erinnert sich noch jemand an Framemaker? Das waren selige Zeiten!) Beim dritten Start schließlich zeichnet das grundgütige Programm jedes Mal ein Icon, wenn man etwas einfügt, als wollte es sagen: sieh her, ich habe es gemerkt! Dann fängt die Menüleiste hysterisch an zu blinken und es verabschiedet sich schon wieder.

Langsam kommt Ungeduld auf. Das, womit ES sich gerade abrackert, muss heute noch raus. Entsetzliche Schuldgefühle, ist ja doch wieder der allerletzte Moment (auch als Drücker bekannt) und man hätte ja doch vielleicht – und vielleicht wäre es letzten Freitag, als man eigentlich hätte fertig werden wollen, Word ja besser gegangen, aber jetzt hilft Word auch kein Kamillentee, weil es höflich fragt: »Möchten Sie die Änderungen speichern?«, obwohl man in diesem insgesamt vierten Versuch noch zu überhaupt keiner Änderung gekommen ist. Dennoch probehalber Ja gesagt, worauf ES wiederum mitteilt, es könne das Benutzerwörterbuch nicht finden und wir wieder bei der ungewollten Rechtschreibprüfung wären.
Ah, jetzt! Word verwechselt den gerade vorliegenden Text von acht Seiten mit einem kompletten Benutzerwörterbuch, Word denkt, diese Geschichte mit einem Anfang und einem Ende wäre ein Benutzerwörterbuch und möchte alles partout da ablegen, wo es normalerweise das Benutzerwörterbuch sucht und gerade nicht findet –
oder so. Oder? Es ging einfach nicht weiter. Der Morgen war hin. Sowas zieht sich dann durch den ganzen Tag.