amtsmüde

Leerstelle

23. Oktober 2009 · 00:09

Vierzig Bewerbungen, zweiundvierzig, vierundvierzig, und jetzt? Jetzt tat sich ein Loch auf oder sowas, ein Graben vielleicht, eine Grube, nirgends ein Licht. Alles wurde dunkler und größer, passte sie nicht auf.
Passte man nicht höllisch auf, holte einen der Teufel jeden Moment. In so einem Loch ruderte man, da kam man nie wieder raus. War vielleicht sogar ein Abgrund. Oben sah man sie drüberspringen, mit ihrem Lachen, mit Bonus und Prämien, das Pack. Sie hoffte, es würde sie rechtzeitig der Blitz treffen, bevor das geschah, bevor sie stolperte und fiel. Bloß nicht dran denken.
Bloß nicht immer zu Hause sein, nur aus dem Fenster gucken, Gardinchen zurückschieben und alt aussehen. Und so weiter? Jahre später einfach umgefallen, Brille noch auf der Nase und alles in allem, weil genau rekonstruiert, siebenundachtzig Tage wie ne Mumie im Zimmer gelegen und in die Zeitung gekommen, ah geh. Nie im Leben alt werden, allen im Weg.
Man musste das Leben so organisieren, dass sich das Loch überhaupt nicht auftun konnte, so ein Loch, wenn man plötzlich dran denken muss, wie es weitergehen soll. Und es unter Umständen überhaupt nicht weiß. Böse Gedanken. Lieber einen trinken gehen, besser gleich, die ganze Nacht lang, denn der Morgen kommt ja schnell.