Licht
2. Dezember 2009 · 13:30
Leserinnen und Leser hoffen manchmal, die Fiktion möge ihnen die Wirklichkeit erklären. Das geht schon deshalb nicht, weil es so viele Wirklichkeiten gibt, die der Figuren, der Leser und die der Autoren gleich mit. Aber wenn die Welt so unbegreiflich ist, möchten sie Geschichten lesen, die ihnen das Unbegreifliche in eine Schublade packt. SO IST DAS steht auf der Schublade, mit Bleistift geschrieben, denn das geht dann nach dem ersten Drüberwischen gleich wieder ab.
Und so genau soll es ja auch nicht sein mit der Erklärung aller Lebenswelten, aber bitteschön: ein bisschen Trost! Nur eine kleine Versöhnung vor dem Ende, denn das Licht am Ende des Tunnels darf der Zug doch niemals sein.
Ganz erstaunlich sind einige Freundinnen und Freunde von Kriminalromanen. Es geht um die Anzahl der Leichen. Und es geht um Gewalt. Da ist einer zu elend gestorben, das geht so nicht. Mal sind es auch zu wenig Tote, dann wieder liegt einer zu viel herum und es ist ihnen zu düster. Dann finden sie eine Geschichte, deren Anzahl von Toten im Prinzip doch recht kommod ist für ihren Geschmack, in der Gesamtstimmung aber nicht witzig genug. Es sind die Märchen für Erwachsene. Draußen ist die böse Welt und du bist im Himmelbettchen drin und ziehst dir immer wieder das Deckchen zurecht.
Und manche Autoren sagen dann, das ist mir sowieso egal, ich tu doch eh, was ich will, um auch einmal festzustellen, dass es Geschichten gibt, die sich nicht schreiben lassen. Deren Anfang man kennen möchte, das Ende aber nicht weiterdenken will. Und würde man tatsächlich über alle Widerstände gehen, um in die Leere zu fallen, die unendliche Traurigkeit, käme schon wieder eine gängige Antwort: so langweilig, eh. Passiert doch nichts.
Denn das ist doch kein Schluss, maulen Leser. Was sie meinen ist: die Geschichte hat einfach aufgehört. Sie hatte keine Lösung. Sie haben sich da nicht so wohlgefühlt. Das hat sie IRGENDWIE (achtet auf das IRGENDWIE) bloß runtergezogen. Denn das kannst du doch nicht machen. Es so hoffnungslos enden lassen ohne ein Licht.
Lass es gut ausgehen, bitte.
Meine Nachbarin sagt, sie liest beizeiten, also weit vor dem Schluss, die letzte Seite, um zu gucken, ob "der Held" am Leben bleibt. Und glücklich wird.
Und wenn nicht?
Liest sie vorne nicht weiter.
Disclaimer:
Das ist unordentlich und sollte
auch woandes hin. Aber da fand ich es zu lang.