“Reality is frequently inaccurate” (Douglas Adams)

19. Februar 2010 · 18:56

Milchkaffee-Trinker

07:30. Auf dem Kaffeehaustisch liegt die B.Z., und was soll man sagen: die Headline ist so kompliziert. Busenmacher-Witwe, Pappe weg oder so, das ist kaum zu erfassen, vielleicht tut ja auch der plötzliche Wärmeeinbruch sein Übriges, denn der Biowetterbericht rät zu schonendem Verhalten. Er hat nur nicht gesagt, wen man schonen soll, einen anderen Menschen, die Reporter der B.Z. oder sich selbst. Aber zurück zur Busenmacher-Witwe, einer Frau Gsell, wie sich nach intensiver Lektüre herausstellt. Sie hat Ärger mit dem Führerschein, respektive Ärger mit sich selbst und der Welt, doch wäre sie mit einem verstorbenen Zahnarzt verheiratet gewesen, hätte sie den Lappen in der B.Z. wohl als Zahnzieher-Witwe verloren. Aber der Zahnzieher hätte womöglich nur eine kleine Praxis in, sagen wir mal, Neukölln oder Köln-Nippes betrieben, dann stünde das Malheur der Frau Gsell allenfalls in der Apotheken-Rundschau statt in der B.Z. Und als Zahnzieher-Witwe hieße sie ja perfiderweise auch ganz anders, und wenn wir das nun richtig kühn durchdenken, dann hätte sie in diesem Fall den Lappen vielleicht gar nicht verloren, was dann zu gar nichts bei der B.Z. geführt hätte, noch nicht einmal zu einem blonden Bild. Es sind ja überhaupt die Menschen immer häufiger als Bindestrich-Wesen unterwegs, als Indie-Regisseur, Dramaturgen-Tochter oder, bei der Bild-Konkurrenz im Rudel auftretend, als kickende Hirnlos-Bayern.

07:55. So lange hat es gedauert, Busenmacher-Witwes Schicksal halbwegs zu durchdringen, als es nun wirklich, wie soll man sagen, diffizil wird. Die PR-Strategen schräg links sind nämlich dabei, erstens den dritten Milchkaffee zu trinken und zweitens pressesprechermäßig für eine Frau X. ein Sendeformat zu entwickeln. Dabei kommen sie auf Ideen, die sag ich dir jetzt nicht. Wohl aber, dass es denkbar ist, für X. ein Format zu entwickeln, das ihren journalistischen Hintergrund stärker in den Vordergrund rückt.

Ja.

08:30. Jetzt leuchtet es ein. Dass der Hintergrund endlich mal in den Vordergrund gehört, weil er sonst immer hinten im Dunkeln steht, und die im Dunkeln sieht man ja nicht.
Siehst du einen Zusammenhang mit der Busenmacher-Witwe? Ich nicht. Aber der Biowetterbericht hat ja auch gesagt, dass die Konzentrationsfähigkeit bei diesem Wärmeeinbruch arg leidet.

08: 40. Um ein Haar vergessen zu zahlen (biowetterfühlig). Die Kellnerin greift sich die B.Z. und wirft sie mit schlichter Eleganz hinter den Tresen.