18. Dezember 2008 · 20:20
Nichts
Ein hessischer Sozialdemokrat wünscht frohe Weihnachten. Von einer schüchternen Sonne beleuchtet, ist das Plakat in Rot- und Goldtönen gehalten, wer hätte damit gerechnet, doch der Abgeordnete ist nicht gut aufgestellt für Hessen, respektive sein Plakat, das so nah an einer brüllenden Kreuzung steht, dass die Wählerinnen und Wähler, um nachzugucken, ob außer dem frommen Weihnachtswunsch noch etwas anderes da steht, fast überfahren werden. Der Abgeordnete versucht ein Lächeln beim Wünschen, vor Weihnachten soll es mal so höflich umschrieben werden, und der Mensch davor, ein Mann mit Hund, fragt seine Begleiterin: »Ist das der Dings, der ...?«
Wenn man jetzt auf den Namen käme, man kommt überhaupt nie auf den Namen.
Nein, sagt die Begleiterin, bevor sie um ein Haar überfahren wird, weil sie dem Mann zeigen will, welcher Name unter dem Weihnachtswunsch steht, das ist er nicht.
Er gibt sich tatsächlich damit zufrieden.
Von was träumt der Abgeordnete? Er wird von einer Partei träumen, die sensibler mit ihm umgeht, denn das übrige Wahlvolk, in dem Bemühen, lebend auf der anderen Straßenseite anzukommen, dreht ihm gleich den Rücken zu. Frauen träumen anders als Männer, habe ich letztens gelesen, zum Beispiel von Haushaltsgegenständen und Kleidungsstücken, aber das gehört nicht hierher.
Auf der anderen Straßenseite ist eine Bankfiliale. Da hält eine frierende Frau ein anderes Plakat in die Höhe: Die einzige flüssige Bank ist die Samenbank. Und an der Pinnwand im Supermarkt ein Zettel mit Telefonnummer: Hellsicht ohne Vorinformation, Partnerrückführung, Pendeln, Liebeszauber, 1,25 €/min.
So, und jetzt? Nichts weiter.
Es hingen noch andere Zettel an der Pinnwand, alle mit derselben Telefonnummer:
Erledige Einkäufe (seriös)
Katze zugelaufen (rot, klein)
Suche Schlauchboot
Aber jetzt ist gut.
