amtsmüde

Techie (5)

17. November 2008 · 11:19

Also: ins Auto wuchten, rauswuchten, Treppe hochwuchten, zusammenbrechen. Kurze Erholungsphase, pack mers. Es ist bloß ein Regal. Auspacken, aufbauen, gucken, was geht.
Spätabends dann: geht nicht. Herr Lenz kriegt es nicht zusammen, auch mit tatkräftiger Hilfe nicht. Er fängt an zu jammern, also stell dir den Lebensweg mal verschraubt vor, nicht wahr, als Kette, die das alles trägt, das Glück und die Miseren und die Menschen und die Träume – kannst du mir folgen?

Und eine fehlende Schraube bringt gleichsam alles ins Ungleichgewicht. Plötzlich, also aus dem Nichts heraus, siehst du, was fehlt.

Und es fehlt immer etwas, grinst blöd um die Ecke und sagt, hier bin ich und entziehe mich, du könntest mich erreichen, wenn du wolltest, aber du willst ja nicht oder siehst mich nicht oder magst dich nicht entscheiden. Herr Lenz fängt also das Philosophieren an: Pläne, Vorhaben, im Kopf ein ganzes Leben fertig skizziert und dann, wenn der Plan einmal aufgeht, fällt dir ein, da gibt's noch ein besseres Konzept, zumindest hatten wir mal eines, das war es noch nicht, da fehlt doch was.
Zum Beispiel, es ist bereits angeklungen, eine Schraube. Eine Ersatzschraube ist nicht vorhanden, alle auf dem Faltzettel ("Aufbauanleitung") eingezeichneten Schrauben sind verschraubt. Bis auf eine halt. Das erinnert an diese Frau, die letztens sagte, bis zur letzten Seite sei das Buch sehr schön, und keiner weiß, wie es passieren konnte, dass die letzte Seite dann so schlecht geriet.
Und jetzt also die Schraube. Das Regal hat keinen Stand. So ein kleines Mistding, gleichsam ein Partikelchen, bringt dir alles durcheinander. Aufrecht stehen: das Regal könnte das, will aber nicht, weil bis auf die letzte Schraube – schön, wir haben es begriffen, nur: wo steckt die letzte Schraube? Diese Schraube ist auch nirgends hingekullert, war niemalsnicht dabei, und jetzt?
Die Aufbauanleitung ist aber auch merkwürdig gezeichnet. Diese kleinen, hilflos hingekritzelten Pünktchen – das sollen also Schrauben sein? Ja, was denn sonst, Knöpfe waren nicht dabei. Und diese schiefen Pfeile, als hätte gerade ein Kind das Malen geübt - jeder Pfeil zeigt den Weg aller Schrauben. Aber der Weg ist dornig, der Weg führt ins Nichts. Alles passt, könnte passen, bis auf die Kleinigkeit, die fehlt. Alles wackelt, mach was draus.