16. Februar 2009 · 13:04
Techie (6)
Lenz hatte den üblen Verdacht, sein DSL-Anbieter habe ihm das Internet geschrottet, jedenfalls: er hatte keinen Zugang. Über Tage nicht, er kam nicht rein. Er rief jeden an, der bereit war, zuzuhören, wollte wissen, wie das denn sein könne, schließlich habe er gar nichts gemacht, und beschwerte sich über seinen DSL-Anbieter, der sein Problem nicht nachvollziehen konnte und wahrheitswidrig behauptet hatte, es gäbe keine Störung.
Nachdem Lenz nun mehrere Tage lang nicht reingekommen war, rief er einen Techniker zu sich, einen leut- und redseligen Mann, der sofort unter den Tisch kroch und krähte: »Das Kabel ist durchgebissen. Hatten Sie Hunger?«
Lenz, empört über dieses Verhalten, wollte zu einer Antwort ansetzen, als die anwesenden Bekannten ihn an Mimi erinnerten. Mimi (Rufname Mimimimimimi) ist die Katze des Herrn Lenz, im Grunde ein Kater, aber das sieht man bei denen so schlecht. Lenz, nach einer Schrecksekunde, murmelte, was Tierhalter so murmeln: »Das hat sie aber noch nie gemacht.«
»Irgendwann ist immer das erste Mal«, sagte der Techniker fröhlich, »ich zum Beispiel war vier Jahre lang verheiratet und lebe heute mit einem Mann zusammen.«
Lenz sagte erst einmal gar nichts und hätte es auch dabei bewenden lassen können, er hätte vielleicht noch fragen können, ob das in diesem frühen Stadium des Kennenlernens nicht des Technikers Privatsache sei. Doch entschied er sich anders und begann von seiner zuckerkranken Tante aus Bergisch-Gladbach zu erzählen, die sich fünf Jahre lang mit diesem Diabetes herumquälen musste, bevor sie sich dann zum ersten Mal die Spritze setzte.
Da suchte der Techniker nun den Zusammenhang.
»Ich meine nur«, sagte Lenz. »Heute meint sie, es hätte nie etwas anderes gegeben.«
»Als die Spritze?«, flüsterte der Techniker.
»Ganz recht«, sagte Lenz, und der Techniker sagte: »Sie brauchen ein neues Kabel.«
