9. März 2009 · 15:43
Unsichtbar werden
geht so: du begibst dich in ein gut gefülltes öffentliches Verkehrsmittel und brüllst los. Niemand wird merken, dass es dich gibt.
So war das auch mit jenem Mitmenschen, der in der Straßenbahn in einen heftigen Streit mit sich selbst geriet. Es ging um Geld, er brüllte sich an: WILLST DU GELD?, um sich unverzüglich auch zu antworten: DU KRIEGST KEIN GELD, und weil er das vielleicht nicht glauben mochte, versetzte er sich noch ein paar Ohrfeigen, DU! KRIEGST! KEIN! GELD!
Doch blieb er allen Blicken entzogen; ein modernes Gespenst.
Vielleicht ist er nicht weiter aufgefallen, weil es draußen schon so dunkel war. Alle übrigen Fahrgäste guckten gespannt aus den Fenstern, um zu beobachten, wie die Dunkelheit sich so entwickelte, und als der einsame Diskutant sich lautstark davon in Kenntnis setzte, dass der Teufel auf Erden sei, DER TEUFEL, der uns alle holt, stellten die übrigen Fahrgäste atemlos fest, dass die Dunkelheit vor dem Fenster blitzartig in Finsternis übergegangen war: teuflisch. Oder sie guckten nach, welche Sensationen sich in der eigenen Tasche verbargen. Oder zählten ihre Schuhe: Heute auch alle zwei angezogen?
Er stieg dann brüllend aus, nicht ohne die übrige Menschheit zu informieren, dass der Teufel einen Namen habe (Herr Niemeier oder so), und als die Tür sich hinter ihm geschlossen hatte, da hat es ihn ja doch gegeben, Teufelauch: »Muss man einsperren.«
»Dass sowas rumlaufen darf.«
