“Reality is frequently inaccurate” (Douglas Adams)

8. November 2008 · 12:01

Was jetzt?


Foto: Harald H. Schröder

Wann kommt die erste Straßenbahn? Und wo fährt die hin, ist da vielleicht noch was los? Zwei Frauen auf Städtetour, und hier, sagen sie, war die ganze Nacht lang nichts los, und bald wird es hell und die Träume verfliegen und sie möchten wissen, was man noch machen kann. Sie stehen im Regen und sagen, für November ist es zu warm, sie fangen an zu streiten, weil die eine ins Hotel will, die andere aber nicht. Da kannst du ja gleich nach Hause fahren, wo die vier Wände immer enger werden jede Nacht. Was jetzt? Aus einem der Häuser schickt ein Frühaufsteher eine Schnulze in den Tag.

Hinter Mülltonnen die grünen Augen einer Katze, vor der Haltestelle wird der Streit zügig fortgesetzt, was bist du so langweilig, ich habe doch schon immer gesagt, dass du - und den Rest möchte man nicht wissen, im Morgengrauen auf gar keinen Fall.
Keine Straßenbahn. Vor uns geht einer mit ausgebreiteten Armen wie so ein Artist auf dem Seil. Geht man hinterher und wähnt sich auf gefährlichem Terrain. Wenn der jetzt abrutscht da vorne, reißt er uns mit. Doch dreht er sich um und schreit freundlich und sehr nüchtern Guten Morgen, schreit, weil iPod-Hörer in den Ohren stecken und der Soundtrack zum eigenen Film ihm die Träume aufs Pflaster malt. Weiter, die streitenden Frauen haben aufgeholt, die haben immer noch Luft, kannst du nicht endlich einmal zuhören?
Sie sind der lebende Biowetterbericht, irgendein Ausläufer, der in der Nacht das Land durchquert und irgendwo auslaufen muss, verursacht schlechte Laune. Sie fragen: „Kann man euch noch was fragen?“ und wollen wissen, wo man hier frühstücken kann, zusammen mit netten Leuten vielleicht, damit so eine vermurkste Nacht zu einem halbwegs guten Ende kommt. Es war so eine Nacht ohne Lachen. Keiner hat mal anständig jemanden angesprochen, anständig, also irgendwie doch mit Niveau, aber das scheint es hier ja nicht zu geben.
Sie hatten auch letztens Pech, nicht hier, aber in Köln, als sie stundenlang unterwegs waren, um eine gemischte Kneipe zu finden – was ist das denn? Na, gemischt halt, weil sie den Eindruck hatten, ganz Köln wäre schwul. Oder München, da mussten sie morgens gleich an den Geldautomaten, alles so teuer und so kalt wie hier auch.
Also, was geht jetzt noch? Gestern sind sie aus Bamberg gekommen, für nix.