„the truth is out there“

Welttage

23. April 2010 • 19:48

Gerade noch in der Zeit: Welttag des Buches und Welttag des Bieres.
Buch ist leicht – lest doch einfach Der Omega-Punkt von Don deLillo, besser geht es ja kaum.

Bier ist schwerer. Untergärig, obergärig, genießbar nur als Kölsch. Zum Bier gehört weniger der Trinker als der Wirt, denn der Wirt ist des Trinkers wichtigster Verbündeter. Haben alle anderen Biertrinker den Biertrinker verlassen, so gibt es immer noch den Wirt. Der Wirt ist selten in der Lage, Bier zu brauen, aber er kann es machen, in der Tat: »Machst du mir noch eins?« Und der Wirt, er macht. Und der Wirt versteht. »Verstehst du?« ist so ungefähr die häufigste Frage, die an ihn gerichtet wird, kurz vor Toresschluss, wenn alle vorgetragenen Lebensgeschichten mit dieser Frage enden:
Verstehst du?
Ja, der Wirt versteht. Das muss er. Er zapft und versteht. Er schenkt nach und versteht. Er kassiert und versteht noch immer, auch wenn der Trinker, dem er das Bier gemacht hat, zuweilen sagt: »Mach mir einen Deckel.«

Durch viele Fernsehkrimis ist der Wirt ein wenig in Verruf geraten. Gerade am Freitagabend haben wir jahrelang halbseidene Gastwirte sehen müssen, die dem Bösen halfen, sein Werk zu verrichten, untergärige Gestalten mit galligem Mienenspiel, die von tapferen TV-Kommissaren nach dem deutschen Reinheitsgebot vernommen wurden:
(Kommissar zeigt Foto) »Haben Sie den schon mal gesehen?«
(Wirt glotzt stumpf) »Nein. Den hab ich noch nie gesehen.«
Kommissar: »Er wurde ermordet.«
Wirt: »Ermordet sagen Sie?«
Kommissar: »Ja, erstochen.«
Wirt: »Erstochen sagen Sie?«
(Kommissar guckt lauernd, sagt mal nichts)
Wirt: »Sagten Sie nicht gerade: er wurde ermordet?«
Kommissar: »Ja, auch. Er wurde ermordet und man hat ihn erstochen.«
Wirt: »Den hab ich noch nie gesehen.«
(Kommissar verlässt die Kneipe, Wirt hält sich am Zapfhahn fest, greift dann zum Telefon): »Gerade war einer da. Du musst verschwinden.«

Also doch lieber Tag des Buches. Noch nicht geschafft bis 23:59:
Barnes: Nichts, was man fürchten müsste
Bauer: In Rumänien. Auf den Spuren einer europäischen Verwandtschaft
Galbraith: Eine kurze Geschichte der Spekulation
Hustvedt: Die zitternde Frau. Eine Geschichte meiner Nerven (wegen des Titels, genau)
Maier, A.: Onkel J.: Heimatkunde
Meckel: Brief an mein Leben
Seghers, J.: Die Akte Rosenherz
Das wird aber.